[passiv-shoppen in toulon]*

wir männer haben so manche orte an denen wir uns besonders wohlfühlen. für mich ist es der golfplatz (im sommer auch der strand), für andere ist es der garten, die kneipe oder das sofa mit dem fernseher davor. aber die wenigsten fühlen sich in der unübersichtlichen, scheinbaren unendlichen welt der kaufhäuser, fussgängerzonen und shopping-malls wirklich wohl. dort wo totale reizüberflutung, gepaart mit einer immer wieder auftretenden langeweile lauert.
das man vom passiv-rauchen krebs bekommen kann weiß jeder. aber das passiv-shoppen akut viel gefährlicher ist nur die wenigsten, denn einer muß sich ja um die ganzen einkäufe kümmer, so das der rücken dann und wann vom vielen stehen und schleppen in arge mitleidenschaft gezogen wird….

…..hier steh ich nun und bin seit einiger zeit schon dem passiv-shoppen erbarmungslos ausgesetzt. sie, an das für die weiblichen bedürfnisse geschaffene shopping-umfeld angepasst, gibt den ton an und die kommandos dazu: »komm!«, »rechts!«, »warte!« usw. ich hingegen versuche mir umständlich mit den taschen diverser boutiquen einen weg durch das gewühl zu bahnen und den schweiß aus den augen zu bekommen. dabei könnte ich ganz gemütlich in einem der kleinen strassencafes sitzen und die zeitung lesen wie es sich für männer im provenzialischen spätsommer gehört. stattdessen hechele ich ihr hinterher, heuchle interesse und versuche,während ich in irgendeinem shop apathisch aufs kommando »weitergehts!« warten, mich mit schönen gedanken und phantasien vor dem hirntot zu bewahren. so stellt sich mir in einem dessous-shop die frage, ob die unterwäsche-models die beim foto-shooting getragenen kleidungsstücke behalten dürfen. dabei kommt mir der gedanke ob nicht vielleicht all diese fotos nur für männer wie mich, die darauf warten weiter getrieben zu werden gemacht wurden und wir uns nicht dem passive-shoppen verweigern, sondern etwas anregendes zu schauen haben, während sie shoppen. porno light, alles blut aus dem kopf, der geist glimmt auf sparflamme und das reicht um den geldkreislauf zu erhalten. blut im kopf ist nutzlos, wenn es nur darauf ankommt, dass ich im richtigen moment das richtige gesicht mache oder einen der vorab gespeicherten sätze abrufe: »das steht dir sehr gut!« dieser satz bedeutet, dass der kaufvorgang für einen artikel endlich abgeschlossen werden kann. wir männer benutzen diese art von sätzen, wenn wir spüren, dass sie nur noch einen kleinen schubs braucht, um eine entscheidung zu treffen. ein anderer satz lautet: »der schnitt ist komisch!« das schiebt alle schuld auf den designer des sagen wir mal kleidchens und der kaufvorgang wird sofort abgebrochen, ohne dass man so unglückliche sachen gesagt hätte wie: »an den oberschenkeln hast du kräftig zugelegt!« mit einem quentchen restverstand sage ich »das steht dir sehr gut!« und schon wird das kleidchen gekauft, wir gehen rüber zum cafe und trinken einen espresso. danach geht es weiter zum nächsten kaufhaus, nach 35 Minuten umherschauen, meine bandscheibe ist kurz davor, sich mit mir zu überwerfen, sagt die sie: »die haben hier nichts für mich, das habe ich gleich gesehen. ist nicht mein stil.« das urteil muss dann noch durch anprobieren von zwölf tatsächlich abstoßenden kleidungsstücken begründet werden. in solchen momenten bleibt einem mann nur ein trost: andere frauen beim shoppen beobachten. die frauen der anderen männer sind interessanter, genau in dem maße, wie die eigene frau/freundin für die anderen männer interessanter ist als deren eigene frauen/freundinnen. nie würde ich einem fremden mann übel nehmen, wenn er meine frau/freundin beim shoppen anstarrt. während sich die hände seiner frau/freundin gedankenverloren durch die aufgereihten kleider fühlen, ruhen eben meine blicke auf ihrem po. wir männer sind doch eben nur männer und der eine hackt dem anderen kein auge aus. nach satten dreieinhalb stunden, meine spreiz- und senkfüsse haben endgültig nachgegeben und sind nur noch taube stumpen, sagt die sie dann: »schatz, du wolltest doch auch noch was besorgen! komm!« was ich brauche, ist dann in zehn minuten besorgt: espresso-bohnen, eine zeitung und oliven-tapenande. pullover und t-shirt kaufe ich im vorbeigehen, fünf minuten bevor die shops endlich schließen. ich schleiche mit taschen und tüten behängt hinter ihr her, die bereits für morgen den nächsten feldzug nach aix-en-provence plant und ab und zu nach hinten fragt: »schatz, wo bleibst du?« »ich komme!« stöhne ich und denke, ich fahr morgen mal an den strand: zeitung lesen, ein wenig schreiben, bandscheiben schonen, füsse baden. und, ja:

frauen fremder männer beobachten.

by tigerfour

ps: wir lieben euch trotz alledem…und tun es immer wieder gern…

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